Bildung im Mittelalter

Der Begriff Bildung, so er denn in dieser Form verwendet wurde, stand im Mittelalter nicht für das Gleiche, wie in der heutigen Zeit. Unter Bildung versteht man seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert
die Ansammlung von Wissen und die Kenntnisse zu deren Anwendung. Die Bildung steht seither synonym mit der Fähigkeit sich gebildet auszudrücken, das Weltgeschehen zu beurteilen sowie einer bestimmten Arbeit nachzugehen oder in einem bestimmten Bereich beratend zu wirken. Der moderne Bildungsbegriff steht auch im Zusammenhang mit der Befreiung des Menschen im aufklärerischen Sinn. Im Mittelalter jedoch war die Bildung geprägt durch die Erziehung und die Einhaltung christlicher Normen. Dazu kamen noch die ständetypischen Verhaltensregeln und die Erlernung eines Berufs sowie dessen Ausübung und die dadurch eintretende Verbesserung der eigenen Fähigkeiten.
Damit waren auch Fähigkeiten, wie Lesen und Schreiben, im frühen Mittelalter nicht unbedingt nötig, um eine gute Bildung zu haben. Alles, was jemand wissen musste, konnte diesem anerzogen und durch Anwendung gefestigt werden. Natürlich gab es damals auch schon Schriftstücke, aber diese hatten zum großen Teil einen sakralen Sinn. Biblische Schriften und Aufzeichnungen von Mönchen und Nonnen gab es in großer Menge. Darunter war sicherlich auch das ein oder andere Rezept für Honigwein, der in verschiedenen Klöstern hergestellt wurde. Schriften, die der Freizeitgestaltung dienten, waren maximal zu Hofe vorhanden.

Trotzdem das Lesen und das Schreiben am Anfang des Mittelalters nicht zu stark von Bedeutung waren, verbreiteten sich diese Fähigkeiten besonders in den römisch geprägten Gebieten Europas.
Die antike mediterrane Bedeutung des Bildungsbegriffs wurde hier mehr aufgenommen, als in den Gebieten, die hauptsächlich vom Germanentum geprägt waren. Mit dem Christentum, das sich vom Mittelmeer her ausbreitete, kamen auch verschiedene Schriften nach ganz Europa. Griechische, jüdische und orientalische Schriften wurden studiert, übersetzt und aufbereitet. Anschließend wurden sie verbreitet und deren Verständnis gelehrt. Zudem gehörte das Studium christlicher Schriften zur Bildung beziehungsweise Erziehung frommer Christen.

Ob der Met Onkel alle seine Rezepte im Kopf hat oder sie auch niederschreiben muss, das bleibt wohl ein Geheimnis. Dass sie aber fast jeder lesen könnte, liegt nicht zuletzt an der Karolingischen
Bildungsreform im 8. Jahrhundert. Diese sorgte für die Vereinheitlichung der Schriftsprache. Im Hochmittelalter wurden viele Schulen gegründet und der antike Bildungsbegriff wieder aufgenommen. Im Spätmittelalter entstanden dann die ersten Universitäten. In diesen wurde neben dem allgemeinen auch spezielleres Wissen gelehrt. Somit wurde auch im einfacheren Volk durch eine umfangreiche Bildung der Übergang zu Neuzeit geschaffen. Und heute kann fast alles in Schriftform nachrecherchiert werden; auch dass es beim Met Onkel eine reiche Auswahl an Honigweinen gibt.