Die Frau im Mittelalter

Die Frau im Mittelalter wurde – vor allem aufgrund religiöser Ansichten – dem Manne untergeordnet. Dies lässt sich für alle Stände allgemein aussagen, wobei die Frauen des Adels und der Kirche ein paar Privilegien besaßen. Im Bereich des Adels konnten die Frauen sogar an den Herrschaftsaktivitäten teilhaben. Schon im frühen Mittelalter gab es Königinnen, die entweder an der Seite ihres Königs oder alleine über das Volk herrschten, Beschlüsse fassten und Gesetze verabschiedeten. Im Laufe der Zeit verstärkte sich die Machtposition der Frauen an allen Höfen zusehends. Und das ist buchstäblich gemeint, denn neben dem Einfluss wuchsen auch der Schmuck und vor allem die Kronen der Königinnen.

Im übrigen Adel und anderen hohen Ständen verbreitete sich die Selbstständigkeit der Frau im Hoch- und Spätmittelalter. Ab dem 8. Jahrhundert konnten Frauen ihren Besitz selbst verwalten. Seit dem 10. Jahrhundert war es die rollenspezifische Aufgabe der Frau, Güter anzuhäufen, zu verkaufen oder zu übertragen. Auch Land konnte durch die Frau verkauft werden. Urkunden über Güterschenkungen, die einem adligen zuteil wurden, waren ebenfalls seit dem 10. Jahrhundert meist auf die Frau des Beschenkten ausgestellt. Ab dem 11. Jahrhundert breitete sich die Lehnsfähigkeit der Frauen von Westen nach Osten im mittelalterlichen Europa aus.

Das literarische Bild der Hoffrauen war durch den verherrlichenden Minnesang – der sicherlich nicht selten im Met Rausch entstand – stark verzerrt. Zwar konnte sich die Frau am Hofe recht frei entfalten, jedoch wurden ihr gegenüber dem Volke und den Rittern nur repräsentative Aufgaben zuteil. Die Anpreisung der Frauen als Inbegriff eines schönen Wesens und ihre Fähigkeit, erzieherisch auf ihre Umwelt einzuwirken, waren wohl hauptsächlich überspitzte Anschauungen, die der Besungenen gefallen sollten. Eine reale Darstellung war es aber nicht. Und da sicherlich auch nicht jede adlige Frau die Schönste im ganzen Lande war, brauchte es bei der einen oder anderen sicherlich auch ein wenig vom Honigwein eingeflößte Fantasie zur Liebhuldigung. Frauen in den Städten waren meist berufstätig, je nachdem welchen Beruf sie vor der Hochzeit mit ihrem Manne erlernten. Auch war die notwendige Versorgung der Familie mit Nahrung und Gütern ein Faktor bei der Rollenverteilung im städtischen Haushalt. Ab dem Spätmittelalter übten Frauen zunehmend kaufmännische Tätigkeiten aus. Bevor eine akademische Bildung dafür notwendig wurde, waren sie auch in medizinischen Berufen tätig. Einfache Bäuerinnen hingegen waren dem Mann stets untergestellt. Sie arbeiteten im Haus, im Garten und manchmal auch mit dem Vieh.

Zudem webten und nähten sie, brauten Bier und Met, und leisteten Frondienste am Hofe. Im Laufe der Zeit hat sich viel getan und die Gleichberechtigung nahm zu. Zum Glück darf jeder – ob Mann oder Frau – unseren Honigwein bestellen und genießen!