Die Erhebung der Götter über die rohe Natur und die germanische Sintflut

Nein, die germanische Sintflut hat leider nichts mit einer Überproduktion an Honigwein zu tun. Es ergossen sich keine Unmengen an Met über die Welt. Aber es war auch kein Wasser. Was der Grund für die Flut war, was Odin und die Reif-Riesen damit zu tun hatten und wie die Geschichte ausging, das möchten wir im Folgenden darlegen. Natürlich lässt sich auch diese Anekdote aus den Götter-Sagen der Germanen besser mit einem Schluck Honigwein genießen. Nur zu, der Shop des Met Onkels ist nicht weit.

Am Anfang war Ymir, aus dessen Körper Söhne und Töchter wuchsen. Aus der Ehe einer Nachkomminnen Ymirs, Bestla, und dem Manne Bör gingen drei Söhne hervor. Ihre Namen waren Odin, Wili und Wê. Wili und Wê werden teils nur in der Entstehungsgeschichte der Asen genannt. Später gehen sie als Wesenszüge Odins in dessen Charakter über. Als die Brüder aber noch als solche beschrieben wurden, begab sich deren Aufbegehren gegen ihre rohen und aus wenig geistreicher Natur geschaffenen Ahnen, die frühen Reif-Riesen. Die den Geist als hohes Gut ansehenden Götter wollten diese Naturgewalten nicht länger leben und herrschen lassen – deshalb erschlugen sie Ymir, den ersten unter ihnen.

Aus dieser Tat ergab sich ein großer Strom aus Blut. Einer Sintflut gleich riss er fast alle Reif-Riesen in den Tod. Lediglich ein Paar, das sich in ein Boot retten konnte, überlebte diese Sintflut: Bergelmir und seine Frau. Aus diesen beiden geht später das jüngere Geschlecht der Reif-Riesen hervor. In dieser Geschichte sind deutliche Parallelen zum griechischen und zum christlichen Glauben zu erkennen. Die Sintflut, welche die Rohheit der Natur (im Christentum: die Verfehlung der Menschen), fortwaschen soll, ebenso wie das Boot (die Arche), in das sich ein Paar retten kann (Noah und Haikal).

Aber die Götter schlugen Ymir nicht einfach tot. Aus seinem Leichnam erschufen sie die Erde. Dies erinnert einerseits an die Erschaffung der Welt durch Gott in der christlichen Genesis, andererseits an die Selbstopferung Purushas, dem Urmensch der indischen Mythologie, aus dessen Körper die Welt hervorging. Ymir hingegen wurde geopfert: aus seinem Schädel und Hirn wurden Himmel und Wolken; aus seinem Fleisch und Blut wurden Erde und Meere; aus den Knochen und Haaren wurden Gebirge und Bäume. Aus der rohen Natur, aus Eis und Feuer, ging eine wirtliche Welt hervor – die germanische Erklärung für das, was uns auch die Wissenschaft lehrt.