Die Nornen – Schicksalsverkünderinnen im germanischen Glauben

Die Vergangenheit: Du hast Met getrunken und dich in den Honigwein verliebt.

Die Gegenwart: Du bist auf der Seite des Met Onkels, um weiteren Honigwein zu bestellen.

Die Zukunft: Du wirst abermals Met trinken. Ein Hoch auf diesen wunderbaren Trunk!

Es ist falsch anzunehmen, dass die Götter oder andere Wesen, wie Zwerge, Riesen oder Elben, die Geschicke der Welt und der Menschen auf ihr lenken – zumindest was die germanische Mythologie angeht. Und auch die (drei) weiblichen Wesen, welche als Weberinnen des Schicksals gelten, lenken dieses nicht. Das Schicksal hängt über allem und allen. Die Nornen, denen wir uns in diesem Text widmen wollen, sehen und verkünden es lediglich.

Dabei gibt es verschiedene Auffassungen darüber, was Nornen eigentlich sind. Aber meist werden sie als weiblich dargestellt. Einmal treten sie als Wesen aus dem Nebel auf, einmal als Asinnen, als Walküren, als menschliche Frauen, etc. Oftmals wird ihre Anzahl mit dreien angegeben. Aus dieser Konstellation ergeben sich ihre Aufgaben der Weissagung des Schicksals: Eine berichtet von der Vergangenheit, eine von der Gegenwart und eine von der Zukunft. Zuweilen gelten sie aber auch in der Gesamtheit als zukunftsweisende Wesen.

Ihr Platz in der Welt wird in der Edda dargelegt. So wohnen sie am Fuße der Weltenesche Yggdrasil, in der Nähe der Urdquelle, dem Brunnen der Weisheit. Laut dem Götterlied „Völuspá“ tragen die drei die Namen Verdandi, Urd und Skuld. Der erste Name kommt nur in diesem Lied vor, Skuld ist ebenfalls der Name einer Walküre und Urd wird – was sich schon durch die Ähnlichkeit zum Weisheitsbrunnen ergibt – als Personifikation des Schicksals angesehen. Die drei genannten spinnen der Snorra-Edda nach nicht nur das Schicksal, sondern halten auch Yggdrasil durch Bewässerung mit den Gaben des Urd- oder auch Urdabrunnens am Leben.

Neben dem Großen und Ganzen, dem Weltengeschick, das die Nornen unter Yggdrasil spinnen, verkünden sie aber auch das Schicksal einzelner. So kommen sie in weiteren Erzählungen an das Kindbett Neugeborener und sagen dessen Schicksal und Lebensdauer voraus. Sie zeigen Adligen beispielsweise, ob das Kind ein großer Herrscher wird. Nach gutem und schlechtem Schicksal wurden auch schnell die Nornen und gute und böse unterteilt. Das Schicksal hielt sich bei dieser Anschauung die Waage und das Gute kam von den einen, das Schlechte von den anderen Nornen – was der Idee der Vorbestimmung ein bisschen widerspricht. Auch was die Lebensdauer anging hatten die Nornen in einigen Geschichten ihre Finger im Spiel.