Die Rolle des Gottes Tyr in Mythologie und Sprache

So wie es in der griechischen Mythologie drei Hauptgötter oder zumindest drei sehr mächtige Götter gibt, nämlich Zeus, Hephaistos und Ares, so lässt sich dieses Dreigestirn auch in der nordisch-germanischen Mythologie wiedererkennen: und das in Odin, Thor und Tyr. So wie Thor, der Donnergott, ist aber auch Tyr, der Kriegsgott, nicht im Sinne des Wortes ein Sohn Odins. Sondern ein Wesenszug der obersten Gottheit. Die Darstellung als Kind, als physische Erweiterung sozusagen, ist somit als Metapher zu verstehen. Aber das trifft auf so vieles in der Mythologie zu, sogar auf den Met – handelt es sich doch nicht immer um Honigwein.

Im Genaueren erweist sich Tyr, der im Germanischen auch Ziu genannt wird, nicht als Kriegstreiber oder Planer, sondern vielmehr als Schwertgott, als Personifikation des Kampfes an sich. Die Rune, die für seinen Namen steht, gleicht – diesem Umstand zuträglich – einem Schwert. Sie wurde zuweilen sogar in Waffen gebrannt oder geritzt. Tyrs Rune galt nämlich auch als Symbol des Sieges. Und auch die Begriffe Zeter und das entsprechende Geschrei gehen auf den Namen Ziu zurück, sind damit also Anrufungen des Schwertgottes. Weiterhin ging „Ziu“ in den Namen des Tages Dienstag ein, wohingegen Wotan (Odin) den Mittwoch (englisch: Wednesday) und Donar (Thor) den Donnerstag formten.

Neben der göttlichen Erscheinung des Kampfes ist Tyr auch ein Gott des Mutes. Denn als der Fenriswolf, ein Sohn des Götterverräters Loki, festgehalten wird, ist er der einzige, der sich getraut ihn zu füttern. Schließlich sollte der Wolf auch angekettet werden, was in den ersten zwei Versuchen fehlschlug: der Fenriswolf musste sich nur strecken und die Ketten waren entzwei. Die dritte Fessel war aber ein von Zwergen gemachtes Zauberband, das umso fester wurde, je mehr sich der Wolf wehrte. Als es ihm angelegt wurde, verlangte er als Pfand dafür, dass keine Magie im Spiel war, die Hand eines Gottes in seinem Maul. Tyr war es, der diesen Pfand schließlich erbrachte. Er büßte die Hand ein, als der Fenriswolf merkte, dass er nun gefangen war, und zubiss.

Der Mythen und Sagen gibt es viele und über allem herrschen das Schicksal und die Aussicht auf Ragnarök. Denn dieses letzte große Ereignis wäre ohne den Fenriswolf gar nicht möglich, weshalb die Götter ihn wohl auch nicht umbrachten. Über das Für und Wider dieser Schicksalstreue lässt sich sicher gut bei einem Gläschen oder einer Flasche Honigwein vom Met Onkel debattieren. Wir freuen uns von den Ergebnissen der Diskussionen zu hören.