Weitere Betrachtungen zu Odin – Teil I

Odin, der auch Wotan genannte Göttervater der Asen – zu diesem Gott aller Götter des germanischen Glaubens bzw. der germanischen Sagenwelt haben wir bereits einen allgemeinen und stark zusammenfassenden Text veröffentlicht. Zu Odin gibt es aber noch so viel mehr zu sagen. Auch was den Met angeht. Denn auch wenn dieser heute als Honigwein bekannt und beliebt ist (vor allem jener vom Met Onkel), so war der Honig nicht immer der Ausgangsstoff für das leckere Getränk. Aber dazu später mehr. Wir wollen uns Odin chronologisch widmen, oder es zumindest versuchen. Deshalb hier der erste Teil einer weiteren Betrachtung des germanischen / nordischen Göttervaters.

Odin ist mitnichten einfach nur der oberste Gott, dem griechischen Zeus ähnlich, und unter ihm stehen auch nicht einfach nur weitere Gottheiten, denen Aufgaben zugesagt sind. Die Asen sind vielmehr ein Geflecht – und wo einige Quellen von Brüdern oder Söhnen Odins sprechen, welche spezielle Charakterzüge haben, so meinen andere Quellen, dass diese Götter nur Abbilder Odins sind, abgespaltene Seiten Wotans, die seine allumfassende Macht und seine Wissbegierde verdeutlichen und veranschaulichen sollen. Denn wissbegierig ist er, der Gott der Weisheit und der Philosophie. Vielmehr noch ist er aber auch der Gott der Dichtung – der höchsten und heiligsten Kunst bzw. dem hoch angesehenen Handwerk – sowie der Gott des Wassers und des Lufthauchs. Letzteres zusammen machte ihn durch die Seefahrt auch zum Gott des Handels.

Neben all diesen edlen Zuschreibungen ist Odin aber auch ein Gott des Kampfes und vor allem des Sieges. Er nutzt sein Wissen und seine Beobachtungen der Menschen, um zuweilen Zwietracht unter ihnen zu säen. Mit ausgeklügelten Intrigen und Anfeindungen sorgt er für Kriege. Aber nicht um der Kriege willen, sondern damit starke Kämpfer in ihnen fallen und anschließend nach Walhall kommen. Denn für die letzte Schlacht, für Ragnarök, benötigt Odin ein großes Heer an Kriegern. Für Odin ist der Kampf auf Erden also sowohl ein schlechtes als auch ein rechtes Mittel zum Zweck. Genauso wie ihm der Betrug von Menschen, Riesen, Elben und anderen Wesen immer recht und schlecht war, um an Weisheit zu gelangen.

Ein Beispiel: Einst suchte Odin in Verkleidung Gunnlöd auf, die Tochter des Riesen Suttung. Er gewann ihr Herz und blieb drei Tage und Nächte bei ihr – das alles mit dem Ziel, den Met der Dichtung, welcher aus dem Blut des Zwergen Kwâsir gemacht und Gunnlöd in Verwahrung gegeben wurde, zu trinken. Es gelang ihm. Und kurz danach entschwand er in Gestalt eines Adlers.