Weitere Betrachtungen zu Thor

Thor, in nordischer Schreibweise Thôrr, auch Donar genannt, ist vor allem als Donnergott bekannt. Auch als Krieger wird er oft erwähnt. Mit seinem Blitze spuckenden Kriegshammer Mjölnir kämpft er nicht zuletzt gegen Riesen und die Midgardschlange. Überdies ist Thor durch seinen Status als Gewitter-Gott aber auch eine Gottheit der Bauern und des Ackerbaus – das macht ihn, durch die stete Weiterentwicklung dieses Wirtschaftszweigs, aber auch zum Gott des Fortschritts. Damit ist er seinem Vater, Odin, sehr nahe. Dieser ist unter anderem der Gott der Weisheit, des Krieges, der Luft und des Wassers. Thor kann damit auch als eine Seite Odins angesehen werden, die sich aber im Laufe der Zeit als eigenständiger Gott behaupten konnte.

Aber warum ist der meist – und nicht zuletzt durch neue Comic-Verfilmungen – als Donner- und Kriegsgott angesehene Thor ein Schutzheiliger des Ackerbaus? Zerstören nicht Sturm, Hagel und Blitze die Felder und Häuser sowie die Saat und den metallenen Pflug? Nun, nur wenn man es so sehen will. In Thor jedoch steckt die Kraft des guten und zuträglichen Gewitters. Die schlimmen Unwetter mit Regengüssen, die als Flut die Herden davonschwemmen, sind eher das Werk von „Thrymr“, einem Hagel- und Sturmgott, der dem alten Riesengeschlecht entstammt.

Thor schickt keinen eisigen Hagel, er schickt einen warmen und sachten Sommerregen. Er zerschlägt die Saat nicht, er lässt sie aufquellen, sprießen und gedeihen. Zudem reinigt er die Luft mit seinen Wettern, sodass die Sprösslinge eine gute Atmosphäre zum Wachsen haben. Und nicht zuletzt kommt dies auch dem Met Onkel zugute. Denn der warme Sommerregen sorgt auch in Wald und Wiese für ein prächtiges Gedeihen. Die Blumen sprießen und die Bienen finden genügend Rohstoffe für ihren Honig, den Ausgangsstoff für Honigwein, kurzum: Met. Thor sei‘s gedankt, dass ihr heute Honigwein kaufen könnt!

Auch des Gottes Atem ist wichtig für die Früchte des Feldes. Denn das Gewitter bringt nicht selten eine drückende Wärme mit sich. Diese vertreibt Thor mit einem Luftzug. Damit wird die Luft wieder frisch. Mensch, Tier und Pflanze können sich erneuert dem Tagwerk hingeben und produktiv für die Gemeinschaft wirken.

Zuletzt ist es aber auch der Blitz, diese Urgewalt, die gemeinsam mit dem Sturm zuweilen Thors Wille und Werken ist. Denn nur durch diese Einwirkungen kann er Fels und Stein in urbaren Boden verwandeln. Thor besiegt durch gezielte Würfe mit seinem Hammer Mjölnir den Steinriesen und macht ihn zum Land der Menschen, zur weichen Scholle, die dem Leben auf der Erde eine Grundlage sein soll.